Verbreitete Zuchtmethoden

Züchter versuchen ihre Ziele mit einer der folgenden Zuchtmethoden zu erreichen:

  • Auszucht (outbreeding) ist eine Verbindung von Hunden, die nicht miteinander verwandt sind. Dies ist die natürliche Vermehrungsmethode wildlebender Caniden, da jedes männliche Tier aus seinem Rudel verstoßen wird, wenn es die Geschlechtsreife erlangt.

  • Linienzucht (linebreeding) ist die Verbindung von weiter verwandten Tieren (z.B. Vetter/Kusinen). In diesem Fall werden Hunde gewählt, um bestimmte Eigenschaften zu vererben oder einen bestimmten Typ zu erhalten.

  • Inzucht (inbreeding) ist die Paarung verwandter Hunde. Dies bedeutet, dass mindestens ein Vorfahr in der Ahnenreihe sowohl des Vaters als auch der Mutter vorhanden ist. Inzucht ist die Verbindung zwischen Verwandten zweiten bis vierten Grades in gerader oder seitlicher Linie innerhalb der ersten vier Generationen, d.h. beispielsweise Onkel mit Nichte, Neffe mit Tante, Cousin mit Cousine, Großeltern mit Enkeln. Mehr oder weniger ist diese Zuchtmethode in sehr vielen Rassen zu finden.

  • Inzestzucht (incest breeding) ist die Verbindung zwischen Eltern und Kindern bzw. zwischen Bruder und Schwester, d.h. zwischen Verwandten ersten Grades. Inzestzucht und fortgesetzte Linienzucht sind sehr riskant, da sie die Gefahr erblicher Erkrankungen massiv steigern.

  • Zwischenzucht (intermediate breeding) ist die Einführung von Fremdblut in eine Linie.

Dr. Hellmuth Wachtel beschreibt in seinem Buch 'Hundezucht 2000' sehr deutlich die Nachtteile, die Engzucht (Inzucht und Linienzucht) für die Genvielfalt einer Rasse mit sich bringen: Engzucht bedeutet bleibenden Genverlust.
 
 
 
 

Verbesserung durch Vergrößerung des Genpools

Wie an anderen Stellen dieser HP bereits angesprochen, ist die Erweiterung des Genpools die wichtigste Voraussetzung zur Verbesserung der Lebensqualität und der Gesundheit einer Rasse. Es ist notwendig, eine große Population und damit einen ausreichend großen Genpool zu erreichen.

Dazu müssen Engzuchtmaßnahmen (Inzucht und Linienzucht) sowie häufige Deckeinsätze von einzelnen Rüden möglichst vermieden und Inzestzucht gänzlich unterlassen werden.

Folglich soll die Verpaarung von Hunden aus weit entfernten Linien forciert werden. Selektionen auf einzelne Aussehensmerkmale, die nicht relevant für Gesundheit und Lebensqualität sind, sollen unterbleiben. Dazu gehört auf jeden Fall auch, dass Farbschläge, die früher anerkannt waren, dann aber gemäß Standard ausgesondert worden sind, wieder in vollem Maße akzeptiert werden.

Leider sind Deckakte zwischen Hunden einer Rasse, aber verschiedener Vereine  nicht immer erlaubt. Verpaarungen über Vereinsgrenzen hinaus sollen möglich sein.

An dieser Stelle möchten wir auf den
Buchauszug von Dr. Hellmuth Wachtel über den 'Biohund' verweisen, den man in der Hundezeitung.de nachlesen kann.

Bei einer Rasse mit vielen gesundheitlichen Problemen und frappierenden Übertypisierungen wie dem Mops sind auch Auszuchtmaßnahmen auf eine passende Fremdrasse eine sehr gute Möglichkeit, den Genpool schnell zu erweitern. Immerhin: Früher, bevor die Zuchtvereine die Zuchtbücher geschlossen haben, waren Auszuchtmaßnahmen auf eine fremde Rasse in Verbindung mit Verdrängungsrückzucht auf die Ursprungsrasse gang und gäbe.

Jedes Einzelwesen, das Leid ertragen muss, ist eines zuviel. Wenn nun viele Einzelwesen einer Rasse an rassetypischen Merkmalen zu leiden haben, ist eine Verbesserung schnell und zuverlässig nötig. Gerade bei Hunden aus Rassen, die mit Atemproblemen zu kämpfen haben (genug Atem/Sauerstoff ist existentiell, große Atemnot bedeutet Todesangst) sollte eine Verbesserung der Situation mit schnell und zuverlässig Erfolg versprechenden Maßnahmen herbei geführt werden.

Wollte man sich hier auf Selektionsmaßnahmen nach Aussehens- und Gesundheitskriterien sowie zur einigermaßenen Erhaltung der Genvielfalt beschränken, muss man die Verantwortung für die Hunde, die auf diesem Weg aber dennoch mit den Leid hervorbringenden Merkmalen leben müssen, auf sich nehmen.

Weiter ist zu bedenken, was dieses weitere strenge Selektieren auf bestimmte Aussehensmerkmale der Rasse an nachteiligem Verlust an Genvielfalt bringt. Genverlust geht einher mit vermehrtem Auftreten von Erbkrankheiten, mit Fitnessverlust, mit Verlust von Instinktsicherheit. Letztendlich könnte das zum 'Tod' einer Rasse führen.

Warum also nicht auf Auszuchtmaßnahmen auch auf eine fremde Rasse zurückgreifen?

Es wäre doch nicht schlimm, wenn die Hunde einer Rasse nicht mehr so einheitlich aussehen würden. Betrachtet man sich Bilder aus früheren Zeiten, dann sieht man unter einzelnen Hunden einer Rasse deutlich wahrnehmbare Unterschiede. Durch die Rückzucht auf die ursprüngliche Rasse werden sich die Aussehensunterschiede wieder relativieren. Der Vorteil des durch Auszuchtmaßnahmen geboosteten Genpools bleibt aber erhalten. Neben dem Wegfall von Leid durch extreme Aussehensmerkmale bedeutet die Vergrößerung des Genpools auch, dass Erbkrankheiten weniger häufig zum Vorschein kommen und dass die Hunde an Fitness und Instinktsicherheit gewinnen.

Beim Wesen der Hunderasse wird sich ebenfalls das der Rasse, auf die zurückgezüchtet wird, durchsetzen. Dass alle Hunde einer Rasse genau ein und dasselbe Wesen haben, ist auch bei Reinrassezucht nicht gegeben. Hinsichtlich des Wesens hängt viel von den Elterntieren, von der Aufzucht beim Züchter und der Haltung und Erziehung beim Besitzer ab.

Wie liebenswert Möpse mit Fremdanteil in ihrem Wesen und Aussehen sind, ist durch die Rassmos und Retro-Möpse, die vielen Familien Freude bereiten, bereits eindrucksvoll bewiesen.

 
Zu diesem Thema gibt es einen sehr interessanten Artikel in WUFF, das Hundemagzin 12/08-01/09: Der mündige Welpenkäufer beeinflusst die Hundezucht von Dr. Hellmuth Wachtel.
 
 
 
 
 
 
 
   
   
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